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Der Mensch - Herrscher, Tyrann, Egoist?

Und sie sollen herrschen über die ganze Erde

Mit diesem Ausspruch in der Bibel hat der Mensch schon immer versucht, Rechtfertigung für sein Tun zu finden. In seiner Herrschsucht hat er bis heute versäumt, darüber nachzudenken, wie wahre Herrschaft ohne Arroganz und Überheblichkeit, sondern mit Gerechtigkeit oder gar Liebe funktionieren könnte. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass der Mensch als Herrscher über alle Kreatur vorgesehen war, jedoch wie bereits ausgeführt als Herrscher im Geiste Gottes, der gemäß dem Ebenbild handeln soll. Das Bild hat bedauerlicherweise schon am Anfang, mit Adam und Eva, einen Sprung erhalten. Der Mensch hat seine Aufgabe nicht erkannt und er bewahrt bis heute nur selten die Qualität, mit der er in diese Welt geboren wird. Der Hinweis wenn ihr nicht werdet wie die Kinder gibt nicht nur Auskunft über den Urzustand des Menschen, sondern beschreibt auch den gewünschten Endzustand. Gott hat den Menschen geschaffen! Ob dieser Mensch, auch selbst, nach eigenem Willen Mensch sein will, muss jeder allein für sich entscheiden und als Beweis danach leben.
Auf keinen Fall wurde der Mensch dazu auserkoren, über seinesgleichen zu herrschen. Es gibt kein Gebot Gottes, welches einzelnen Menschen die Macht  zugesteht, über ihre Brüder und Schwestern zu herrschen. Gott allein  ist der Herrscher.

Und Jehova sprach zu Samuel: Höre auf die Stimme des Volkes in allem, was sie dir sagen; denn nicht dich haben sie verworfen, sondern mich haben sie verworfen, dass ich nicht König über sie sein soll.
8 Nach allen den Taten, die sie getan von dem Tage an, da ich sie aus Ägypten heraufgeführt habe, bis auf diesen Tag, indem sie mich verlassen und anderen Göttern gedient haben, also tun sie auch dir. 9  Und nun höre auf ihre Stimme; nur zeuge ernstlich wider sie und tue ihnen die Weise des Königs kund, der über sie herrschen wird. 10  Und Samuel sprach alle Worte Jehovas zu dem Volke, das einen König von ihm begehrte. 11  Und er sprach: Dies wird die Weise des Königs sein, der über euch regieren wird: Eure Söhne wird er nehmen und für sich bestellen auf seinen Wagen und unter seine Reiter, und dass sie vor seinem Wagen herlaufen; 12  und er wird sie nehmen, um sich Oberste über tausend und Oberste über fünfzig zu machen, und dass sie seine Äcker pflügen und seine Ernte einbringen, und dass sie sein Kriegsgerät und sein Wagengerät machen. 13  Und eure Töchter wird er nehmen zu Salbenmischerinnen und zu Köchinnen und zu Bäckerinnen. 14  Und eure Felder und eure Weinberge und eure Olivengärten, die besten, wird er nehmen und sie seinen Knechten geben. 15  Und von euren Saaten und euren Weinbergen wird er den Zehnten nehmen und ihn seinen Kämmerern und seinen Knechten geben.
16 Und eure Knechte und eure Mägde und eure schönsten Jünglinge und eure Esel wird er nehmen und sie zu seinen Geschäften verwenden.     17  Euer Kleinvieh wird er zehnten, und ihr, ihr werdet ihm zu Knechten sein. 18  Und ihr werdet an jenem Tage schreien wegen eures Königs, den ihr euch erwählt habt; aber Jehova wird euch an jenem Tage nicht erhören. 19  Aber das Volk weigerte sich, auf die Stimme Samuels zu hören; und sie sprachen: Nein, sondern ein König soll über uns sein,  20  damit auch wir seien wie alle Nationen, und dass unser König uns richte und vor uns her ausziehe und unsere Kriege führe. (1.Samuel 8.7-20)

Von Anbeginn war einzig allein Gott als Herrscher und Vater vorgesehen, der in Liebe und Barmherzigkeit, allein mit seinem Gesetz, seinen Geboten, seine Kinder und Geschöpfe leitet und führt. Gott hat den Menschen in Anerkennung ihres freien Willens den Gefallen getan und Könige akzeptiert; die daraus entstandenen Folgen und Leiden wurden nicht nur prophezeit, sondern sind bis auf den heutigen Tag ablesbar. Auf wie viele Gesetze und Könige, Führer, Päpste hätte der Mensch verzichten können, wenn sich jeder an die 10 Gebote mit dem allumfassenden Gebot der Nächstenliebe halten würde.
An diesem Punkt sind bis heute alle Menschen durch ihre Herrscher und Regierenden entmündigt worden bzw. sie haben sich entmündigen lassen. Das gilt für Kirche und Monarchie ebenso wie für Diktatur oder Demokratie. Eine Rückkehr scheint bis heute unmöglich. Der Mensch verzichtete aus Dummheit, Hochmut, geblendet von Macht und Größe, auf die ihm von Anbeginn zugestandene Selbstverwirklichung, die allein dort fortschreitet, wo er Verantwortung gegenüber seinen Nächsten zeigt.
Wenn Menschen für sich das Recht beanspruchen zu herrschen, weil sie vom Volk gewählt wurden, dann stellt sich erst recht die Frage, wie diese Herrschaft im Sinne Gottes aussehen könnte. Für jeden Herrscher/Leitenden sollten die „Zehn Gebote“ mit dem Gebot der Nächstenliebe die Grundlage für seine Entscheidungen sein. Es gibt einige Hinweise in der Bibel, vor allem im Neuen Testament, die als Führungshilfe geeignet sind.

Deswegen ist das Reich der Himmel einem Könige gleich geworden, der mit seinen Knechten abrechnen wollte.  24  Als er aber anfing abzurechnen, wurde einer zu ihm gebracht, der zehntausend Talente schuldete. 25  Da derselbe aber nicht hatte zu bezahlen, befahl sein Herr, ihn und sein Weib und die Kinder und alles, was er hatte, zu verkaufen und zu bezahlen. 26  Der Knecht nun fiel nieder, huldigte ihm und sprach: Herr, habe Geduld mit mir, und ich will dir alles bezahlen. 27  Der Herr jenes Knechtes aber, innerlich bewegt, gab ihn los und erließ ihm das Darlehn.
28  Jener Knecht aber ging hinaus und fand einen seiner Mitknechte, der ihm hundert Dinare schuldig war. Und er ergriff und würgte ihn und sprach: Bezahle, wenn du etwas schuldig bist.  29  Sein Mitknecht nun fiel nieder und bat ihn und sprach: Habe Geduld mit mir, und ich will dir bezahlen. 30  Er aber wollte nicht, sondern ging hin und warf ihn ins Gefängnis, bis er die Schuld bezahlt habe. 31  Als aber seine Mitknechte sahen, was geschehen war, wurden sie sehr betrübt und gingen und berichteten ihrem Herrn alles, was geschehen war.  32  Dann rief ihn sein Herr herzu und spricht zu ihm: Böser Knecht! jene ganze Schuld habe ich dir erlassen, dieweil du mich batest;  33  solltest nicht auch du dich deines Mitknechtes erbarmt haben, wie auch ich mich deiner erbarmt habe?      34 Und sein Herr wurde zornig und überlieferte ihn den Peinigern, bis er alles bezahlt habe, was er ihm schuldig war.  35  Also wird auch mein himmlischer Vater euch tun, wenn ihr nicht ein jeder seinem Bruder von Herzen vergebet. (Matth.18.23-35)

Dies Beispiel besagt, wer hat, der soll geben, vorausgesetzt, er wird nicht heuchlerisch ausgenutzt. Niemand, der sich und seinen Nächsten liebt, kann wünschen, dass er oder sein Nächster  schamlos betrogen wird. Wie der Herr auf Heuchler reagiert,  hat er schon bei Kain gezeigt.
Ein weiteres Beispiel kann als Hilfestellung für Mindestlohn dienen.

Denn das Reich der Himmel ist gleich einem Hausherrn, der frühmorgens ausging, um Arbeiter in seinen Weinberg zu dingen.   2  Nach dem er aber mit den Arbeitern um einen Dinar den Tag übereingekommen war, sandte er sie in seinen Weinberg. 3  Und als er um die dritte Stunde ausging, sah er andere auf dem Markte müßig stehen; 4  und zu diesen sprach er: Gehet auch ihr hin in den Weinberg, und was irgend recht ist, werde ich euch geben. 5  Sie aber gingen hin. Wiederum aber ging er aus um die sechste und neunte Stunde und tat desgleichen. 6  Als er aber um die elfte Stunde ausging, fand er andere stehen und spricht zu ihnen: Was stehet ihr hier den ganzen Tag müßig? 7  Sie sagen zu ihm: Weil niemand uns gedungen hat. Er spricht zu ihnen: Gehet auch ihr hin in den Weinberg, und was irgend recht ist, werdet ihr empfangen. 8  Als es aber Abend geworden war, spricht der Herr des Weinbergs zu seinem Verwalter: Rufe die Arbeiter und zahle ihnen den Lohn, anfangend von den letzten bis zu den ersten. 9  Und als die um die elfte Stunde Gedungenen kamen, empfingen sie je einen Dinar. 10  Als aber die ersten kamen, meinten sie, dass sie mehr empfangen würden; und auch sie empfingen je einen Dinar. 11  Als sie aber den empfingen, murrten sie wider den Hausherrn 12  und sprachen: Diese letzten haben eine Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleich gemacht, die wir die Last des Tages und die Hitze getragen haben.
13 Er aber antwortete und sprach zu einem von ihnen: Freund, ich tue dir nicht unrecht. Bist du nicht um einen Dinar mit mir übereingekommen? 14  Nimm das Deine und gehe hin. Ich will aber diesem letzten geben wie auch dir. 15  Ist es mir nicht erlaubt, mit dem Meinigen zu tun, was ich will? Blickt dein Auge böse, weil ich gütig bin? 16  Also werden die Letzten Erste, und die Ersten Letzte sein; denn viele sind Berufene, wenige aber Auserwählte. (Matth.20.1-16) 

Das Beispiel stammt aus einer Zeit, wo Taglohn die Einnahmequelle für das tägliche Leben war. Die Frage für den Herrn, der Verantwortung für seine nächsten Untergebenen trug, war, wie viel benötigt ein Mensch, um sich und seine Familie von seiner Tagesarbeit ernähren zu können. Heutige Manager – oft mit einem Jahreseinkommen, das für einen Arbeiter ein halbes oder ganzes Lebenseinkommen sein kann - besitzen kein Augenmaß oder machen sich keine Gedanken, wie hoch das Einkommen eines Mitarbeiters sein muss, damit dieser eine Familie gründen, ernähren und noch  Vorsorge für sein Alter treffen kann. Was bedeutet in diesem Zusammenhang: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst?“ Um wie viel größer darf das Einkommen des Spitzenmanagers im Unternehmen sein, als das seiner geringst bezahlten Vollzeit-Arbeitskraft? Dreimal, fünfmal, zehnmal so groß? Es sollte auf jeden Fall ein Maßstab gefunden werden, der sich am Schwächsten orientiert, die gesamte Leistungskraft des Unternehmens berücksichtigt und regelt, was insgesamt verteilt werden kann.

 

Herrschaft über seinesgleichen im Geist Gottes

Der kleine Herrscher, auch schon Tyrann?

Kollektivschuld?

Der historische Tyrann

Der herrschende, moderne Geist

Der Mensch in der Masse

Moloch Gesellschaft

Abtreibung