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June 02. 2015 11:09:23
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07 - Der Mensch gleicht

Und er sprach: Der Mensch gleicht einem verständigen Fischer, der sein Netz ins Meer warf und es (wieder) aus dem Meere herauszog, als es voller kleiner Fische war. Unter ihnen fand der verständige Fischer einen großen guten Fisch. (Da) warf er all die kleinen Fische (wieder) hinunter ins Meer und wählte den großen Fisch ohne Bedenken. Wer Ohren hat zu hören, der höre!

Bei den kleinen Fischen kann an alle Nebensächlichkeiten und jeden Kleinkram gedacht werden, mit dem der Mensch sich ein Leben lang beschäftigt. Der in ständig ablenkt, rund um die Uhr unnötige Arbeit verursacht und wo am Ende lediglich ein riesiger Abfallhaufen übrig bleibt. Würde er alle Nebensachen sofort von sich weisen, könnte er sich allein auf das Wesentliche konzentrieren. Mutter Theresa dürfte in jüngster Geschichte ein Beispiel dafür gewesen sein, wie ein Mensch zu seiner wesentlichen Aufgabe kam und so gesehen zu seinem „größten Fisch“. Sie wollte mit 36 Jahren als Missionsschwester nicht mehr die Kinder der reichen Inder unterrichten, sondern kümmerte sich um Kranke und Schwache in den Elendsvierteln von Kalkutta.

Das Gleichnis kann allerdings auch rein ökonomisch gesehen werden. Zum sofortigen Verzehr ist der große, ausgewachsene Fisch die passende Beute. Kleine Fische sollten weiter am Leben bleiben, damit sie irgendwann zu großen Fischen werden. Wo weltweit mit immer engmaschigeren Netzen die Meere leer gefischt werden und die Fischpopulation keine Chance erhält sich zu entwickeln, entscheiden in den Gremien zu oft Menschen, denen die Ohren zum Hören abhanden gekommen sein dürften.