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Letzte Änderung:
June 02. 2015 11:09:23
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95 - Wenn ihr Geld habt ...

(95) [Jesus sprach]: Wenn (?) ihr Geld habt, gebt nicht auf Zinsen, sondern [gebt dem,]  von dem ihr es nicht (zurück) bekommen werdet.

Wenn die Menschen tatsächlich nach dem Reich Gottes streben, werden sie zu der Erkenntnis kommen, dass Zinsen genau so verabscheuungswürdig sind, wie zu töten. Es kann fast immer nachvollzogen werden, durch eigene Hände Arbeit ist noch keiner reich geworden. Wenn Reichtum angehäuft werden konnte, dann nur mit Hilfe von Mitmenschen. Leider zu oft durch ungerechtfertige Vorteilnahme, sogar Ausbeutung. Jede Entlohnung birgt in sich die Gefahr der Vorteilnahme. Wer dies erkennt kann daraus seine Verpflichtung ableiten, überschüssiges Kapital zum Wohle der Gemeinschaft oder Notleidender einzusetzen. Hilfe zu Selbsthilfe ist der richtige Denkansatz. In der Regel genügt ein gerechter Lohn. Jesus sagt, wen der Kapitalgeber nach seiner Lehre bevorzugen soll. Niemand muss sich sorgen, dass jemand zu viel gibt oder der ursprünglich Reiche auf einmal zum Armen wird. Dafür sorgt schon ein im Menschen verankerter "gesunder Egoismus". In der heutigen Zeit rasen wir mit voller Kraft  in das absehbare Chaos. Reiche werden dank Zins und Zinseszins immer reicher. Schwarze Kassen und Steuerhinterziehung nehmen zu. Unter dem Deckmantel von Datenschutz bleiben Kapitalströme undurchschaubar. Die Kapital- und Anlage-Systeme werden immer verwirrender und können bzw. dürfen angeblich nicht immer nachverfolgt werden. Was früher langfristige Anlage war, wurde zum kurzfristigen Roulette. Der Staat drückt sich vor seiner Verantwortung, animiert scheinheilig zur Eigenhilfe, schafft aber keine Sicherheit durch harte, einfache Gesetze. Wer zu viel Geld besitzt, dass seinen Lebensunterhalt und seine Altersvorsorge bei weitem übersteigt, sollte es zinslos verleihen. Zinsen führen zu einer ausufernden Gesellschaft von Schmarotzern, die sich wie Tyrannen gebärden ohne selbst etwas zu leisten. Der Schmarotzer lebt von der Leistung anderer. Zinsen werden aus den Leistungsträgern gepresst. Ein Krebsgeschwür, legalisiert durch die Lobbyarbeit der Kapitaleigner.
Es verwundert überhaupt nicht, dass dieser knallharte Spruch in den kanonischen Evangelien nur in einer abgeschwächten Formulierung zu finden ist. (Luk. 6.35)